Premium

„Hallo, ich grüße Sie. Wie geht es ihnen?“

„Morgen. Geht so.“

„Wie ich sehe, holen sie gerade ihre Post aus ihrem Briefkasten. Darf ich ihnen da vielleicht etwas vorschlagen?“

„Was?!“

„In welcher Etage dieses eleganten Hauses wohnen sie, wenn ich fragen darf?“

„In der ersten.“

„Wäre es da nicht interessant für sie, ein Premium-Account zu haben?“

„Was!?“

„Das Premium-Abo enthält eine direkt-to-bed-funktion und bedeutet, dass ich ihnen Ihre Post bis ans Bett bringe.“

„Wass??!!“

„Sie brauchen nichts weiter zu tun, als mir ihren Briefkastenschlüssel anzuvertrauen, und schon geht es los. Außerdem biete ich in dem Premium-Abo an, jede Zeitung, egal, wann sie eingeworfen wird, direkt zu ihnen aufs Klo zu bringen. Ich bräuchte natürlich noch ihre Wohnungsschlüssel.“

„Sind sie nicht ganz dicht?“

„Naja, über die günstigen Preise haben wir ja noch gar nicht gesprochen, haha.“

„Hauen sie ab, mann!“

„Sie bekommen morgens zu ihrer Post auch eine frische Tasse Kaffee von mir direkt ans Bett gebracht.“

„Oh!“

„Nicht wahr? Unterschreiben sie einfach hier, ich kümmere mich um den Rest.“

„Äh, brauchen sie meine Bankverbindung?“

„Ach, das nehme ich mir einfach direkt aus ihrem Portemonnaie.“

„Ok.“

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Du twitterst, du stirbst (aber nicht umsonst)

Du twitterst, du stirbst. Jemand twittert, dass du tot bist. Es folgen Beileidsbekundungen, Trauer, Erinnerungen, Retweets, weinende Smileys und einige sind sogar so erschüttert, dass ihnen endlich klar wird, dass hinter jedem Account auch ein richtiger Mensch mit Anfang und Ende steckt. Plötzlich ändern sie ihr Leben, machen nicht mehr aus jedem Tweet einen Elefanten und  hocken auch nicht mehr in einem Busch vor einer Lokalität, in der ein Twittertreffen stattfindet. Sie räumen ihre Küche auf, putzen ihr Bad, sagen ihrem Chef die Meinung und gehen erhobenen Hauptes und voller Selbstbewusstsein in ein neues Leben. Dann sterben sie. Jemand twittert, dass sie gestorben sind. Es folgen…

Bettgedicht

Auferstanden aus dem bette,
ging der leicht verpennte nette,
in die küche um zu sagen,
„man, was könnt ich heute klagen,
und dabei am schreibtisch nagen.
doch wo eben decken lagen,
könnten meine zehen ragen!“ –
und ging wiederum zu bette,
auf das ihn bloß sein kissen rette,
da er noch zu schlafen hätte.

Rauchen

Raucher sind das Letzte und nehmen keine Rücksicht auf andere? Hier sind zehn Beispiele dafür, wie man auch als Raucher ein guter Mensch sein kann.

1. Ich rauche nie wenn meine Freundin neben mir liegt, denn dafür ist sie noch zu jung.

2. Wenn ich mich betrinke und dabei eine rauche, passe ich auf, dass ich immer eine Hand am Steuer lasse. Oder wenigstens das Knie.

3. Ich verschwinde gerne höflich und dezent in einer Nebelschwade, wie Batman.

4. Die Zigarrette danach rauche ich bereits währenddessen, so dass ich einerseits seltener beim rauchen einschlafe und andererseits ihr den rauch nicht aus versehen ins Gesicht blaße.

5. Falls sich jemand am Passivrauchen stören sollte, lade ich ihn ein, aktiv mitzumachen.

6. Wenn ich ein Kind mit einer Zigarrette sehe, nehme ich ihm diese sofort weg. Und seinen iPod. Und sein Taschengeld.

7. Meine Lunge ist schwarz, meine Augen sind häufig rot, meine Finger sind goldgelb – wir sind Weltmeister!

8. Wenn mein Neffe sich beim spielen verletzt hat, bekommt er von mir ein Nikotinpflaster mit einem selbstgemalten Nilpferd darauf. Das schützt die Wunde, sieht elegant aus und erleichtert später den Einstieg.

9. Da die Haut schneller altert, wird man durchs rauchen schneller erwachsen und kann bessere Entscheidungen treffen.

10. In Krankenhauseingängen geselle ich mich gerne zu den anderen Rauchern und stimme ein hübsches Lied an.

Aufstehen

Jeden Tag stehe ich auf. Und jeden Tag rede ich mir ein, ich könne jederzeit damit aufhören. Aufstehen für die Zukunft. Aufstehen um zu leben. Einfach aufstehen. Ich stehe auch auf, wenn ich alleine bin. Besonders, wenn ich alleine bin. Und wenn ich erst einmal aufgestanden bin, kann mich nichts mehr aufhalten. Und dann eskaliert alles und ich arbeite. Ja, ich arbeite, nachdem ich aufgestanden bin. 

Die Kollegen haben mich bereits darauf angesprochen. „Bist du heute schon wieder aufgestanden? Hättest du nicht besser im Bett bleiben können?“ Die Situation war mir furchtbar unangenehm. „Geh doch mal zu den anonymen Aufstehern“, heißt es immer. „Nein“, sage ich. „Ich hab alles im griff.“ 

Meine Freunde wenden sich bereits von mir ab. Sie liegen da, senden alberne Kurznachrichten und betrinken sich. Das ich aufstehe, wissen die wenigsten. Und die, die es wissen, sind zu betrunken, um etwas zu bemerken.

Vor kurzem bin ich bereits um halb sechs aufgestanden. Als ich im Spiegel mein ausgeruhtes Gesicht sah, wusste ich, so kann es mit dir nicht weiter gehen. So wirst du niemals unglücklich. So kannst du nur noch den Tag genießen. 

Als würde da einfach nur jemand Sex brauchen

Samstag Nachmittag. Innenstadt. Abtreibungsgegner ziehen vorbei. Laut, nervig, albern. Kein Sex! Keine Verhütung! Keine Abtreibung! Bescheuerte Nazivergleiche! – Als würde da einfach nur jemand Sex brauchen. Weiße Kreuze tragen sie, wollen Aufmerksamkeit, sind ein bisschen militant, aber das alles, zwischen all den anderen typischen Wochenend-Demos, ist eher nicht sehr aufregend. Um sie herum sieht man hauptsächlich Unverständnis, gekräuselte Münder und zuckende Schultern. Münster halt.

Gegendemo? In dieser Stadt? Selbstverständlich! Ein Haufen Sexy-people, die fürchterlich verführerisch daherkommen, charmant sind und denen nicht einmal militante, streng Katholische Bibelfanatiker widerstehen können? Nicht alle. Einige von denen sind lieber vermummt, spucken Leute an und schubsen Stühle vor Cafes durch die Gegend. Die Dame, die mir ein Brot verkauft, sieht erschrocken aus. „Die vermummten,“ sagt sie, „die machen vielleicht einen Radau. Meine Güte.“ Die mit den weißen Kreuzen sind schon wieder vergessen. Was wollten die noch?  Die Polizei schubst nun die Vermummten. Polizeistaat! Aber was treibt denn so einen vermummten eigentlich an? Stuhlprobleme? Imageprobleme? Schulterzucken. Ich zwänge mich aus dem kleinen Bäckerlädchen und sehe die Straße weiter unten noch ein paar Kreuze verschwinden. Neben mir saufen drei Unvermummte, die tun, als hätten sie es gerade jemandem richtig gegeben und freuen sich, dabei gesehen zu werden. Sind ja auch alles nur Menschen.

In einer wolkenverhangenen Nacht – eine sinnfreie Geschichte

In einer wolkenverhangenen Nacht, Schneeflocken klabauterten mir unaufhörlich um die Nase, schlug eine Hauswand meinen Schädel ein. Warm wurde es mir da am Kopf und im Gesicht und im Nacken. Man soll ja auch viel feiern in dieser Zeit, sonst friert es einen. Aber das Blut, so rät eine jede besorgte Großmutter, das Blut sollst du in dir behalten.

Ich befolgte diesen Rat immer, bis zu einer kalten Nacht, nach einer Weihnachtsfeier. Ich hatte meinem Leibe gerade etwas Festwein in Form von Wodka und vielen kleinen Tequilas zukommen lassen, da plötzlich torkelte die Welt um mich, wie ein völlig absurder Halunke. Das Haus, in dem ich zu nächtigen pflegte, schwankte auf mich zu. Ich breitete die Arme aus, zur Begrüßung, doch ich schätzte fehl: Als sei ich ein Angreifer, schlug es mir ein-, zweimal seine raue Ziegelwand ins Gesicht. Ich fiel in den Schnee und bat um Vergebung. Da ließ es von mir ab. Am nächsten Morgen lag ich tot im Vorgarten und erhob schwere Vorwürfe. Dem Haus war‘s egal.